textstrom
- Christian Ritter bereist die Slamachse A
Gekommen um zu reisen
3 Tage - 3 Nächte - 3 Slams - eine Textskizze
Gut gelaunt fand sich die Reisegruppe
Österreich am frühen Mittwochmorgen am Bamberger Bahnhof
ein. Die Reisegruppe bestand aus mir, meiner Textmappe
und einer Sporttasche.
Kaum 5 Stunden später…
Erste Station: Wien. Eindrücke:
Maria hilf! Rauf und runter. Kontaktfreudige Freaks
auf der Straße. Musikanten in der U-Bahn. Schnitzel
mit W-LAN. Einbahnstraßen heißen Einbahn, Geschäfte
machen nicht zu, sie sperren. Niemals "diese Kirche
da" sagen, wenn man den Stephansdom meint (für gute
Freunde: Steffl). Teures Bier.
Mieze Medusa verspätet sich gern.
Der Abend: Slam! Mein erster. In Österreich. Deutschland:
55. rhiz: schöner Schuppen, nur den U-Bahn-Verkehr sollte
man für die Dauer der Veranstaltung einstellen. Moderation:
charming, schlagend (mit Fliegenklatschen). Abstimmungsverfahren:
eigenartig. Angenehme Tischgesellschaft. Enthusiastisches
Publikum. Kritische Jury. Schreck: Nur 5 Minuten Zeit.
Verkürzt die Textsuchphase. Neu für mich: Man kann sitzen
beim Lesen. Nix für mich. Ergebnis: Zweiter in der Vorrunde,
zweiter im Finale. Wie daheim. Der Sieger flüchtet mit
Preisgeld vor Rauch und auszugebenden Runden. Der Rest
ist Geschichte (eine andere). Prädikat: wertvoll.
Zweite Station: Linz. Eindrücke:
Holzbänke in der Straßenbahn, Opernball im Fernsehen,
Online-Bier, Rahmsuppe. Verwirrung: Bin in der falschen
Location und gerade dabei ins Taxi zur nächsten falschen
zu steigen, als mein Name über den großen, dunklen Hauptplatz
schallt. Didi ruft und führt mich richtig, in den Roten
Krebs. Problem: Gebrabbel. Nur die Hälfte der Leute
ist wegen des Slams da. Also: lauter reden. Der Tonmann
leistet harte Arbeit und passt auf meine Tasche auf.
Moderation: Lässig-spontan. Ansonsten: Gemütlich, alternativ,
freundlich. Teures Bier. 5 Leute auf der Bühne, eine
Vorrunde (mit 5), ein Finale (auch mit 5), gewinne beides
und nehme grinsend den Siegerstrumpf in Empfang. Der
Barmann teilt meine Freude nur bedingt, als ich mit
Centstücken zwei Bier bezahle.
Prädikat: Folgt nach dem Subjekt und geht dem Objekt
voraus. Voranstehend bei Inversion.
Dritte Station: Innsbruck. Eindrücke:
Flugzeuge hängen vor Schneebergen. Uffz, uffz, uffz.
Vibrierende Sofas. Heißen Rolltreppen hier "Rollstiegen"?
Auch die ÖBB verspätet sich gerne. Angemessene Bierpreise.
Was heißt "Stindl"?? Der Slam ist vor allem eins: Rampenlicht.
Publikum: Dementsprechend un-sichtbar, aber nicht zu
überhören. Stimmung: 5,5 von 5 möglichen Punkten. Punkte
gibt es nicht, auch kein Mikro, aber viel Applaus. Dessen
Spender sind auch anderweitig spendabel. Moderation:
Markus for Kulturminister! Sieger: ich. Habe Mühe, alle
Preise unterzubringen (Danke vor allem für den Maskara).
Bekomme ENDLICH Gelegenheit, eine Kurzgeschichte (welche
wohl?) zu lesen. Als Zugabe. Länger als 5 Minuten. Eine
Wiederkehr innerhalb dieses Jahres: wahrscheinlich.
Warum: Darf 2006 gratis Bücher "entlehnen". Bedeutet
wohl "ausleihen".
Prädikat: ein runder Abschluss.
Abseits der Bühnen: Konnte viele
neue Erfahrungen sammeln. Vor allem: Bei Aufenthalten
in fremden Städten, in denen man jeweils nur zwei Menschen
kennt, ist ein leerer Handyakku nicht von Vorteil. Abhilfe
schafft die Auskunftsbereitschaft der Fußgängerzonenfrequentierer
(=Einwohner), die mir mit nur einer Ausnahme (entspricht
etwa zwei Prozent) immer weiterhelfen konnten. Ein nettes
Völkchen!
Mein Dank richtet sich vor allem an Mieze
und Diana für die spontane Tourplanung und die Wienführung,
an Nadja und Didi und Markus für die Bühnen und an alle
Menschen, bei denen ich ungeplant übernachten durfte.
Darüber hinaus danke ich Justus Jonas, Peter Shaw und
Bob Andrews, die mir ständig in den Ohren lagen (???).
Fazit: In Österreich kann man es auch
ganz gut aushalten, wenn man keine Berge runter rutscht.
Man versteht sogar die meisten Gesprächspartner. Nur
einmal musste ich mir ein Wort aufschreiben lassen.
Stellte sich als "Dachboden" heraus. Hört hört!
Dieser Text passt im Übrigen exakt in
5 Minuten Lesezeit und schließlich läuft ja im Endeffekt
alles immer darauf hinaus.
Jetzt ist auch bald der gelbe Sand verrieselt.
Servus aus Bamberg!

Christian Ritter ist Slammer und Slammaster in
Würzburg!
|