Poetry Slam Archiv - 27. Jänner 2010

 

Es ist nämlich so. Amina Handke hat die Idee gehabt, ein Vorspielservice sich einfallen zu lassen. Ein Vorspielservice ist eine Art offene Bühne für djs, die ihre Platten anspielen, ein bisschen was dazu erzählen und dann verkaufen. Ist eine unglaublich charmante Art shoppen zu gehen und dabei ein Bier zu trinken. Das alles ist bei female pressure geerdert und wenn kreative Damen zusammensitzen, sprühen die Ideen ja nur so, so auch die: das geht ja auch mit Büchern. Tatatataaaaa:

textstrom ft. die vorleseservice.

Im Jänner 2010 funktionierte textstrom Poetry Slam nach abgewandelten Regeln:

2 Runden:
- 1. Runde: 5 Minuten Zeit für eigene Texte
- 2. Runde: 3 Minuten Zeit für einen Fremdtext, ob Schiller (bitte nicht) oder Milena Moser (bitte gern) ist euch überlassen. Wichtig: muss in Buchform erschienen sein und ihr bereit euch von diesem Buch zu trennen. Das bleibt nämlich bei uns, bzw. wird an den/die Höchstbietende aus dem Publikum versteigert.

Es treten 5 geladene SlammerInnen (El Awadalla, Nadja Bucher, Andreas Plammer, Christian Schreibmüller und Felix) und 5 aus der offenen Liste an. Die Jury funktioniert wie immer, wobei die Fremdtextrunde nur halb zählt. (Wir mögen eure Texte nämlich lieber). Sollte ein Buch nicht ersteigert werden, zählt die Fremdtextrunde jurypunktemäßig nicht. TeilnehmerInnen dürfen mitsteigern.

Soweit die Theorie. Die Praxis wurde im Learning by Doing Verfahren von den Moderatorinnen und DJs: Amina Handke und Mieze Medusa umgesetzt.


TeilnehmerInnen
Stichwort vom Publikum
Punkte
Opferlamm: Mieze Medusa
S.O.S
15,5
1. Moritz
ILD, Angriff zu Angriff
18,5
2. Andreas Plammer
Shakespeare
13,5
3. Heine
kollektives Luder
16
4. Jimi Lend
Fäkaltrümmrchen
19,5
5. Andi Pianka
Bügeleisen
10,5
6. Christian Schreibi Schreibmüller
Espresso Michelle
19,5
7. Nadja Bucher
Mama
17
8. Matthias Vieheider
mmmmhhhh
23,5
9. El Wood Loud
mach
17
10. El Awadalla
Kiefer ausrenken
14,5


Fremdtextrunde
1. Andreas Pianka
Volxlesung, Pferdeleberkäse 12,5 : 2 = 9,25 / EUR 6
2. Andreas Plammer
Markus Köhle, Bruchharsch 11,5 : 2 = 5,75 / EUR 4,5
3. El Awadalla
Tram, Doris Nussbaumer 13 : 2 = 7 / EUR 4
4. Heine
wolle & werke, & radieschen, lei 23 : 2 = 11,5 / EUR 5
5. El Wood Loud
Kishon 18,5 : 2 = 9,25 / EUR 5
6. Nadja Bucher
Ratgeber 16 : 2 = 8 / EUR 5
7. Moriz
Wedekind, Das Leben ist Geschmackssache 15 : 2 = 7,5 / EUR 7,5
8. Jimi Lend
Du liebst mich, Anthologie 18,5 : 2 = 9,25 / EUR 7
9. Christian Schreibi Schreibmüller
Robert Gernhard, vergriffen 19,5 : 2 = 9,75 / EUR 10,5
10. Matthias Vieheider
Spaghetti, Salzwasser 23 : 2 = 11,5 / EUR 10

Nicht drangekommen sind: Tschif, Barbara Sabitzer, Aki und wer noch? Mist, muss ich nachdenken.

Gesamtergebnis:

3. Platz: Jimi Lend

2. Platz: Christian Schreibi Schreibmüller

1. Platz: Matthias Vieheider

Moriz, St. Pöltner Nachwuchsstarslamer, eröffnet.

Andreas Plammer äußert sich zu/über Shakespear. Die Hochkultur und die Subkultur reichen sich quasi auf einer Bühne die Hand.

Heine ist zum ersten Mal mit dabei und kommt gleich in die Sonderveranstaltung. Liest also eigenes und fremdes.

Amina Handke, Erfinderin des Vorspielservices, hört zu. Das Publikum auch!

Jimi Lend legt sich ins Zeug.

Andi Pianka in Schieflage. Unfaires Kommentar natürlich: fotografierende Moderatorin in Schieflage.

Nadja Bucher liest einen Text, der das Publikum zum Stichwort Mama inspiriert:

Matthias Vieheider mit totaler Publikumskontrolle!

El Wood Loud mit Apothekenwerbung.

Andreas Plammer blickpendelt.

El Awadalla, die Literaturbetriebsrätin unter den Poetry SlammerInnen bekommt bei dieser Sonderveranstaltung aber sowas von einem Fixplatz!

Amina Handke opferlammt in der zweiten Runde. Sie hat gute Gründe, ihr Buch loswerden zu wollen. War es ein Geschenk, aber keins das passt? Hat sie mehr davon? Schande über mich, ich hab's mir nicht gemerkt. Wohl gemerkt hab ich mir aber, dass Amina perfekt vorgezeigt hat, wie man ein Buch und ein Publikum zusammenbringen kann.

Andi Pianka verkauft äußerst erfolgreich eine Volxlesungsanthologie. (Von denen gibt's noch mehr! Kleiner Tipp.) Überhaupt, ihr, liebes Publikum seid auf eine Art einkaufswütig, als hättet ihr noch nie einen Büchertisch gesehen. Uns war's recht!

Andreas Plammer verhökert einen echten Köhle, einen Bruchharsch nämlich. Geht wohlfeil weg. Andreas Plammer hat übrigens gar nicht genug von Bruchharsch, er hatte nur genug davon: 2 nämlich. Braucht aber nur eins. Überhaupt lassen sich die verkauften Bücher ziemlich konkret einteilen: war ein Geschenk von meiner Tante, also weg damit (Nadja B. , die auch Jimi Lend mit einem Fremdbuch versorgt hat) und bin ich total davon begeistert, hab ich aber mehrere (El Awadalla mit wirklich mehr als 2,3 Büchern von Doris Nussbaum).
Ein besonderer Höhepunkt und das passt ja eigentlich auch noch recht gut hierher: Heine versteigerte ein &radieschen ( er las einen Text von Barbara Sabitzer) um unglaubliche EUR 5. Wenn die Menschen bloß wüßten, dass es das Heft ganz regulär den ganzen Abend lang um EUR 3,50 gegeben hätte! Naja, wir haben es nicht verheimlicht.

Ein Loud, ein Kishon und ein Publikum.

Nadja Bucher hat sich ehrlich über ihre Geschenke gefreut, jetzt wissen wir auch warum. Ich für meinen Teil bin einerseits verblüfft, weil naja, das Buch ist halt eine Klasse für sich, andererseits aber auch schon wieder überhaupt nicht: Nadja Bucher ja auch. Was ich damit sagen will: das Buch wurde erfolgreich verkauft, das Buch hat aber nicht sehr viel beigetragen dazu.

Moriz veredelt Reklamhefte mit eigenen Gedichten, präsentiert uns einen Wedekind und verkauft das Reklamheft so erfolgreich, dass es wohl an dein eigenen Gedichten gelegen haben muss. Weiter so, dann ein eigenes Buch machen, dann machen wir mal einen textstrom mit nur veröffentlichten Texten.

Jimi Lend hat was von Nadjas Tante bekommen und hat sich für das jetzt folgende Verkaufsgespräch sogar die Haare gekämmt. Jimi Lend setzt sich souverän auf Platz 3 der Gesamtwertung!

Christian Schreibi Schreibmüller mit einem besonders großzügigen Verkaufsangebot: das Buch ist gut, das Buch ist vergriffen, das Buch ist von Robert Gernhard. Vorgelesen natürlich von Schreibi himself. Er erreicht mit EUR 10,50 den Höchstpreis und es wird gemunkelt, dass der Vielersteigerer, der beim nächsten Slam einen Fixstartplatz hat, das Buch nach dem Slam sogar noch teurer weiterverkauft hat! Das macht Platz 2 im Gesamtvoting!

Und wir haben Sieger. Der Sieg geht an ein Kochbuch. Matthias Vieheider demonstriert gestenreich, dass Kochbücher einfach das sinequanon des Buchhandels sind. Kassiert dafür beeindruckte und nur von Schreibi übertroffene EUR 10 und gewinnt mit Höchstvoting in der Vorrunde und Höchstvoting in der zweiten Runde souverän!